Sonnennest

24 Juni 2019

Sommersonnwendepunkt

Veröffentlicht von: Nina Rebekka

Weidentor

Wir haben Sommersonnwende. Hier bin ich und nehme Teil. Ein weiterer Ritualabend, im geschlossenen Kreis. Ich höre zu, lausche zwischen den Tönen und in mich hinein. Was resoniert mit mir? Was ist auch Teil meiner Geschichte? Es wird gelacht, getrommelt, gerasselt, gesungen, geräuchert. Alles “im Rahmen”.

Ein Feuer wird entzündet. Abgeben, Dank sagen, es nähren, uns frei machen.

Dann stehen wir im Kreis. Ein Weidentor symbolisiert den Übergang, den Durchgang, den Wendepunkt. Frauen lachen, springen, tanzen, kommen gut an, werden mit offenen Armen und neuen Gaben Willkommen geheißen. Mein Herz schlägt deutlich, mein Inneres wird unruhiger. “Ich kann nicht.” Das Gefühl ist stark. Das Ritual plötzlich sehr groß. Was ist los?

Es geht nicht zurück, ich muss da durch – das weiß ich. Also tu ich so als ob und rede wirres Zeug, verhalte mich wie ein aufgescheuchtes Hendl. Stop! Nochmal auf Anfang.
Nochmal vorm Tor stehen. “Ich kann nicht.” Da ist so viel Energie. Wieso ist das so “machtig”? … Da – eine Frau schlägt auf die Trommel. Der Kreis stimmt mit ein. Es ist ein Rufen, es gibt mir ein bisschen mehr Mut und Rück-Halt. Ich atme so tief ich kann. Ich lasse mich führen und gehe durchs Tor. Keine Euphorie. Große Hochachtung stattdessen. Ich blicke den Frauen in die Augen. Jeder Einzelnen. Ich sehe sie alle und sie sehen mich.

Ich verstehe nicht, was passiert ist. Ich habe zu etwas Ja gesagt, das sich noch nicht greifen lässt. Es ist meine Aufgabe. Das war sie schon immer. Nun bin ich hineingeschlüpft. Ich bin da. Gewendet.

Aho.
Nina Rebekka