Sonnennest

11 Dezember 2014

Berührung

Veröffentlicht von: Nina Rebekka

Berührung Tastsinn

Vor ein paar Jahren war ich noch diejenige, die zusammengezuckt ist, wenn sie im Gespräch jemand nur kurz am Arm berührt hat. Jetzt berühre ich selber. Der Reihenfolge nach kamen Yoga, Acro Yoga (und das “mit der Nasenspitze über sehr intimen Körperbereichen Baumeln”), Nuad Thai (die traditionelle thailändische Massage) und schließlich eine Woche mit Contact Improvisation und somatischen Körperübungen (am Strand!) in Ibiza. Jahre in denen ich viel mehr in meinem Körper angekommen bin und in denen Berührung einen anderen Stellenwert bekommen hat.

Berührung ist ein ganz geWICHTIGER Teil der menschlichen Existenz und trotzdem sind wir fast alle unterernährt in dem Punkt. Eine Freundin und ich, wir drücken uns immer ganz fest und die Umarmungen dauern schon mal länger. – Je länger die Umarmung, umso besser übrigens. Ab ca. 20 sec. beginnt der Körper (bei liebevoller Berührung!) Oxytocin auszuschütten: ein Hormon, das den Herzschlag verlangsamt, die Muskulatur entspannen kann, den Stresslevel insgesamt reduziert und eine antidepressive Wirkung hat.

In meiner aktuellen Fortbildung, hatten wir ein Modul, das sich einzig mit dem Thema Berührung beschäftigt hat. – Wie heilsam sie sein kann, wie viel sie triggern kann, was unsere Haut “ausmacht” und einiges mehr.

In unserer Gesellschaft ist Berührung irgendwie stark eingeschränkt. Vor allem die liebevolle Art und Weise, die die uns soooo viel gibt und uns so nährend begegnet und enorm heilsam ist. Viele Tabus, Konventionen, Prägungen, Ängste …

Das Thema selbst und alles, was rundum noch so dran hängt ist vielschichtig und sehr interessant. Ich schreib hier mal, was mich besonders fasziniert:

Der allererste Sinn, der sich beim kleinen, werdenden Mensch im Bauch der Mama entwickelt, ist der Tastsinn. Schon in der 7. Woche gibt es Tastsinnrezeptoren, die bereits aktiv sind. Die Haut ist somit unser ältestes und größtes Sinnesorgan.
Wir Menschen erforschen unsere Welt mit Haut und Händen und kein anderer Reiz ist schneller im Nervensystem als Berührung, weil die Haut direkt mit dem Nervensystem verbunden ist (beide haben sich aus der selben embryonalen Struktur entwickelt).

Unser Körper ist zu fast 80 % mit Haaren bedeckt (ca. 5 Mio. kleinste Härchen mit tastsinnsensiblen Rezeptoren). Zudem gibt es 20 Billionen freie Nervenenden in der Haut. Insgesamt gibt es 14 unterschiedliche Tastsinn-Rezeptortypen (die Anzahl derer, die derzeit bekannt sind). Übrigens können wir deren “funktionieren” und wahrnehmen noch nicht mal im Schlaf ausschalten.

Ein sehr interessanter Artikel zum Thema ist hier nachzulesen (aus diesem sind auch der Großteil der Fakten hier entnommen). Plus hier ein Interview mit Dr. Martin Grunwald (Tastsinn-Spezialist).

Berührbar-sein schließt ein sich-öffnen mit ein. Es bedingt ein ja und ein sich-klar-sein der eigenen Grenzen bezüglich. Es erfordert Vertrauen. Es ist ein forschen, was mag ich, welche Qualitäten von Berührung haben welche Resonanz in meinem Körper (was entspannt, was weckt Aggressionen z.B.) Und ehrlich, es ist, wie schon gesagt, ein enorm-komplexes und vielschichtiges Thema und das hier soll ein kleiner Beitrag an Worten bleiben ;O)

Alles Liebe,
Nina Rebekka

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