Sonnennest

5 August 2014

wild sein, den Mond anheulen

Veröffentlicht von: Nina Rebekka

an der Leitha im Meer

Ist ein Buch bloß ein Buch?

Die Wolfsfrau“ liegt auf meinem Nachtkästchen. Sie beäugt mich argwöhnisch und (heraus-)fordernd. – Na du, wo ist denn deine Wilde eigentlich hin?
Ich lese und mein Inneres begehrt auf. Ich will den Zugang zu meiner wilden Frau wieder frei legen, will dieser Unbändigen, Freien im Spiegel wieder begegnen. – Nicht immer, nicht 24/7, aber ich möchte sie gern spüren, nicht bloß wissen, dass auch sie irgendwo verkümmert in meinen inneren Welt ist.

Viele kluge Menschen schrieben Vieles über unsere Geschichte. Aus dieser geht auch hervor, dass es irgendwann eine Zeit gab, in der die Frau an sich geehrt wurde. Weil sie Leben schenkt und auch weil wir diejenigen unserer Gattung sind, die bluten, ohne dabei zu sterben (in der Regel – im doppelten Wortsinn).

Dann gab’s einen Wendepunkt … Misstrauen, Verfolgung, Unterdrückung, Korsetts, der Anstand, Pflichten einer Ehefrau, das Weiblein hinterm Herd … dann gab’s einen Wendepunkt-Ansatz … Emanzipation, „Genderei“, der teils aggressive Versuch, die Frau mit allen Mitteln zumindest wieder auf Augenhöhe des Mannes zu hieven. Hm, gelungen?

hoit, Zwiespalt

„Wenn ich schlicht und einfach ich selbst bin, werde ich von vielen abgelehnt und ausgestoßen, aber wenn ich mich willig anpasse, lehne ich mich selbst ab und stoße mich selbst aus meiner Mitte.“ (Clarissa Pinkola Estés)

Sodale, Salat. Ein Teil im Innen schreit: yeah, Anpassung, ich will das alles auch. Klingt gut, klingt einfach, klingt nach nicht-auffallen, klingt nach Gemeinschaft.
Und dann prescht von irgendwo eine Stimme raus: bloß nicht! Raus in die Natur, rein in die eigene, fühlen, forschen, tanzen, in Bewegung bleiben, dein ganz-ganz eigenes Ding durchziehn!

Der Teil, zu dem diese Stimme gehört, sehnt sich danach im Wald zu hausen. Draußen, in einem meiner Kraftorte, im Schutz der Dunkelheit, bei dichtem Gestrüpp und mystischem Zwielicht. Einfach sein. Einen Rhythmus in mir entdecken, den ich längst nicht mehr kenne. Herabgefallene Nadeln unter meinen Füßen spüren, meinen Körper an einen Baum pressen und den Geruch von Harz einatmen, meiner Angst begegnen und nicht vor ihr zurück weichen.

Und ich jetzt also, die sich fragt: wie krieg ich das im zivilisierten Alltag gebacken? Wie lässt sich’s vereinen, so dass sich mein Ich als Ganzes genährt fühlt?

ich bin – viele

„So sein, wie man ist, bedeutet, von den zahllosen Gesichtern in uns das aufzusetzen, das in der jeweiligen Situation am meisten angebracht und dienlich ist.“ (Clarissa Pinkola Estés)

Es geht also nicht um eine Entscheidung, um ein entweder oder. Wir dürfen sowohl als auch. Ob Männer oder Frauen ist egal. Jeder Mensch hat viele unterschiedliche Aspekte in sich und alle haben ihre Richtigkeit. – Es gilt, keinen davon zu unterdrücken und manche mögen vielleicht wieder belebt werden.

Ich für meinen Teil bin da jetzt an meiner Baba Yaga dran, an meiner Baubo, an meiner Hexe, meiner Jägerin, meiner Wilden.

Aho und wie immer, alles Liebe und dies mal auch ein
lustvolles Erforschen deines Selbst!

Nina Rebekka

 

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