Sonnennest

13 November 2013

Authentic Movement

Veröffentlicht von: Nina Rebekka

authentisch – echt sein im Sinne von „als Original befunden“. Als authentisch gilt, wenn beide Aspekte der Wahrnehmung (der unmittelbare Schein und das eigentliche Sein) in Übereinstimmung befunden werden. (laut Wikipedia)

Wir bewegen uns durch unser Leben. Im öffentlichen Raum bewegen wir uns, wie es allgemein akzeptiert ist. Hüpfen tun nur die Kinder, wenn jemand humpelt oder eine starke Gehbehinderung hat, fällt uns das oft auf und wir schauen. Würde uns jemand im Supermarkt freudestrahlend entgegen tanzen (einfach so, ohne erkennbaren Grund), fänden wir das wohl ziemlich merkwürdig, komisch, unterm Strich, ab der Norm.

Die Sache ist, mir wär manchmal danach, zu springen oder ein paar Dance Moves vor den Makkaroni im Regal hervor zu lassen. Und doch hält mich (fast immer) was zurück.

Authentic Movement

ist eine Art sich frei zu bewegen, in der ich bewusste Entscheidungen treffe und Bewegungen aus meinen inneren Impulsen erlaube stattzufinden.
Mit zunehmender Praxis werden Bewegungen ungefiltert ausgeführt, ohne vom Bewegenden selbst ge- oder bewertet zu werden. Die Bewegungen werden nicht dirigiert. Sie sind ungeplant und kommen, ohne dem Bedürfnis eine Botschaft schicken zu wollen oder der Absicht Sinn zu machen.

Das AUM ist ein wesentlicher Teil in meiner Fortbildung zur ganzheitlichen Tanz- und Bewegungspädagogin.
Wir praktizieren Authentic Movement in unterschiedlichen Variationen. Die zentralen Bestandteile sind: es gibt Mover (sich-Bewegende) und Witnesses (Zeugen).

Der mögliche Ablauf

Alle Beteiligten gemeinsam schaffen eine Art heiligen Raum – wir sitzen in einem großen Kreis und öffnen durch eine Geste unserer Arme, den Raum fürs AUM, fürs Bewegen und gesehen-werden. Dann gibt der Timekeeper das Signal für den Beginn. Die Mover schließen die Augen und gehen in den Raum. Ihr Part besteht darin, sich zu bewegen – wie auch immer. Große, kleine, kaum sichtbare Bewegungen; mit Lauten oder ohne. Währenddessen haben sie die Augen immer geschlossen, es sei denn, sie möchten eine große, schnelle Bewegung machen und sich vergewissern, dass der Weg dafür frei ist. Nach einer vorher festgelegten Zeit, gibt der Timekeeper wieder ein Signal und die Mover kommen aus dem Raum, zurück in den Kreis.

Als Zeuge in dieser Sequenz ist es meine Aufgabe da zu sein, den Raum zu halten – für die Mover insgesamt und für den Mover, der mir in einer Paarung zuteil geworden ist. Wenn ich in einer Paarung (Diade) einen Mover bezeuge, so ruht meine Aufmerksamkeit voll und ganz auf diesem einen Menschen. Es geht hier nicht darum, ihn zu beobachten und zu werten. Ich sehe ihn, ich sehe seine Bewegungen und bezeuge MEINE Reaktionen, MEINE Eindrücke, MEINE inneren Bilder, Erinnerungen und Gefühle.

Nachdem der Mover seine Bewegungssequenz beendet hat und in den Kreis zurückgekehrt ist, wechseln oft die Rollen und ich werde zur Bewegten, während mein Mover dazu übergeht, mich zu bezeugen.

Authentic Movement kann in dieser und vielen anderen Formen praktiziert werden. Neben den Paarungen zu zweit, gibt es auch Dreiergrüppchen (Triaden) oder gesamte Gruppenscores.

Dem körperlich-bewegten Teil des AUM folgt ein verbaler Austausch. Hier beschreibt der Mover in der Gegenwartsform seine Bewegungen und etwaige Emotionen und Bilder, die dazu aufgetaucht sind. Der Mover ist immer der erste, der spricht, der Zeuge hört zu. Dann kann der Zeuge witnessing geben, sofern der Mover dem zustimmt.
Als Witness spreche ich von mir und dem was ich in mir wahrgenommen habe, ebenfalls in der Gegenwartsform.

Ich sehe …
Ich fühle …
In meiner Geschichte …

Wo kann ich Authentic Movement üben?

Ein sicherer Rahmen, gehalten, kompetent und herzlich geführt, wird in Wien von Martina Mückler als Übungsraum geboten. Sowohl in einzelnen Gruppen als auch in Einzelsettings. Sabine Parzer bietet ebenfalls das AUM in Einzelsessions an, inkludiert es in der Ganzheitlichen Tanz- und Bewegungspädagogik-Fortbildung und bietet auch eine extra Fortbildung zum Thema an.

Ein minimales Reinschnuppern ins Bewegen aus inneren Impulsen, ist auch in meinem Workshop am Freitag, 22. November möglich.

heneni – here I am

Meine Erfahrungen mit dem Authentic Movement stecken noch nicht mal in Kinderschuhen. Ich sitze in Babysöckchen hier.
Was ich bis jetzt durch diese Praxis erfahren habe: es öffnet mich. Ich habe tiefen Verletzungen Ausdruck verliehen, ich habe Unsinn gemacht, getönt, getrommelt, mein Gesicht in Händen vergraben. Ich bin durch Räume gewirbelt und ich war still, beinahe reglos. Ich hatte Spaß und ich wär am liebsten weggelaufen.
Und ich bin dankbar jedes einzelne Mal, dass ich mit dem, was in mir ist, frei in Bewegung gehen kann und dabei gesehen zu werden. So wie ich bin.

„I long to be seen
as I am
all of me.
I am afraid to be seen
all of me
in my shadow
in my light.“
(aus dem Buch „Offering from the conscious body. The discipline of Authentic Movement“ von Janet Adler)

Alles Liebe,
Nina Rebekka

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